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10 Jahre! PDF Drucken E-Mail
Veröffentlicht am 11.10.2011

Am 7. Oktober zeichnete die alliierte Afghanistan-Intervention ihren 10 Jahrestag. Über 2.500 ausländische Soldaten fanden bis heute den Tod, zehntausende einheimische Zivilisten dürften dazukommen. Statistisch gesehen ist die bundesdeutsche Afghanistan-Mission mit über 30 Toten noch gut davongekommen. Doch Statistiker waren wir nie...

Die Bevölkerung ist verunsichert, verärgert, frustriert - Viele umschreiben die Lage für sie schlimmer als unter Federführung der gestürzten Taliban-Regierung. Die Armut ist nach wie vor erschreckend und allgegenwärtig. Kriminalität und Korruption haben mit Einmarsch der westlichen Armeen noch zugelegt. Nach den großen Versprechungen deren Reiz schon diverse andere Staaten in die Teufelsklauen der Amerikaner trieb, folgte schnell Ernüchterung. Außer den westlich erscheinenden Einkaufszentren, Hotels und Regierungsgebäuden in der Hauptstadt Kabul wirkt hier wenig fortschrittlich. Im Gegenteil, das Land liegt nach wie vor am Boden. Die wenigen westlichen Vorzeigeobjekte wie Schulen und Krankenhäuser sind nicht einmal als Tropfen auf den heißen Stein zu bezeichnen und werden zudem - auch nach zehn Jahren - von den Einheimischen mit großem Misstrauen angesehen.

Vielleicht sind es jetzt noch ein paar Einschusslöcher mehr an den alten, armseligen Gebäuden; vielleicht ein paar Militärwracks mehr auf den Fahrzeugfriedhöfen in der Wüste - Veränderungen jedenfalls sehen anders aus. Wenngleich Blut zuhauf floss während parallel Milliardenbeträge aus aller Welt in das Land wanderten (und über dunkle Kanäle manchmal auch gleich wieder zurück) - die Lage hat sich nach zehn Jahren nicht annähernd verbessert. Menschen starben und sterben, Fäuste werden gen Himmel geballt, Drogen in alle Welt umgeschlagen, Waffen gehandelt - die Seiten sind verhärtet, die Interessen ähnlich wie die Konfliktparteien mannigfaltig und schnell wechselnd. 

Bezeichnend: Mit Sorgen verfolgen die Vereinten Nation in den letzten Monaten eine starke Ethnisierung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Es wird befürchtet, dass diese zeitnah zu neuen blutigen Konflikten zwischen den Einheimischen führt. Clans und Warlords, ethnische Auseinandersetzungen, Korruption und Kleinkriminalität - für Zündstoff ist immer gesorgt.

Die Zahl der getöteten Zivilisten stellt in diesem Jahr einen traurigen Rekord auf. Immer wieder werden ganze Familien unschuldig Opfer der aufgrund ständiger Hinterhalte verunsicherten westlichen Militärs. Der sonst so gern bemühte Begriff der westlichen "Befreier" war in Afghanistan seit jeher fehl am Platze; heute vagen sich nur noch Wenige diese Begrifflichkeit überhaupt zu verwenden. Und auch der aktive Widerstand hat nach zehn Jahren - die Ära bin Laden ist längst vergessen - lang noch kein Ende gefunden und sorgt in regelmäßigen Zyklen für neue Schlagzeilen.

2014 - Eine Zahl schwebt über dem Land. Bis dahin soll nun Afghanistan den Einheimischen, jedenfalls denen die sich in die gut honorierenden Fänge der Okkupanten geschlagen haben, übergeben werden. Der Abzug der ausländischen Soldateska steht bevor, zehntausende vor allem Amerikaner werden trotzdem im Land stationiert bleiben. Das demokratisierte Afghanistan - es wird für immer eine Farce bleiben. Wer dies schon vor zehn Jahren - mehr oder weniger mutig - umschrieb; er behält Recht. Weder Briten, Russen noch Amerikaner haben es vermocht - Afghanistan ist weder zu demokratisieren, noch zu verwestlichen, noch nach ihren Vorstellungen zu parlamentisieren. Also bitte...