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Alles andere als nur umgangssprachlich – Afghanistan, dort ist Krieg! PDF Drucken E-Mail
Veröffentlicht am 07.04.2010

Bestürzung und Trauer sind erwartungsgemäß vor allem in politischen Kreisen der BRD groß, nach dem die drei Bundeswehrsoldaten Niels Bruhns (35 Jahre), Robert Hartert (25) und Martin Augustiniak (28) am Karfreitag bei schweren Gefechten mit Aufständischen fielen.  Alle drei waren Angehörige der im niedersächsischen Seedorf stationierten Luftlandebrigade 31. Die verletzten Deutschen wurden ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz ausgeflogen und teils stundenlang an Schuss- und Splitterverletzungen operiert. Wohlgemerkt, die ersten Kräfte aus Seedorf wurden gerade Ende Februar nach Afghanistan verabschiedet. Es dauerte also nicht einmal fünf Wochen bis das Kontingent erste, dramatische Ausfälle zu verzeichnen hat. Für die Angehörigen von drei jungen Männer - für immer aus dem Kreis ihrer Familien gerissen - und acht verletzten Soldaten wird das Leben vielleicht niemals wieder so sein wie zuvor. Insgesamt beträgt übrigens die Zahl der neu zum in Afghanistan stationierten ISAF-Kontingent stoßenden Seedorfer 1.100 Soldaten.

 

Auch die afghanischen Angreifer äußerten sich unterdessen zu den Vorfällen und erklärten, dass sie grundsätzlich auch vor dem Hintergrund der historischen Beziehungen keine Probleme mit Deutschland hätten. Deutschland solle jedoch Afghanistan weiter helfen statt die Invasionstruppen zu unterstützen. Sollten die Deutschen aber weiterhin vorziehen, sich auf die bisherige Art einzumischen, müssten sie weitere Todesopfer in Kauf nehmen.

Als Randnotiz auch noch ein anderer für den Zustand der deutschen Bundeswehrsoldaten aussagekräftiger Vorfall: Bei den stundenlangen schweren Kämpfen bei denen oben genannte Soldaten getötet und acht ihrer Kameraden teils schwer verletzt wurden, starben durch deutsche Kugeln auch mindestens fünf Angehörige der Afghan National Army (ANA) – der regierungstreuen Einheiten die an Seiten der ISAF-Truppen agieren – durch sogenanntes „friendly-fire“.  Die afghanischen Soldaten rasten mit ihren Fahrzeugen den Deutschen zu Hilfe kommend auf diese zu, konnten jedoch nicht identifiziert werden und wurden so unter deutsches Feuer genommen. Bezeichnend dieser tragische Vorfall, der jedoch auf von Kritikern oft angesprochene Versäumnisse bei der Ausbildung und dem Einsatz unter tatsächlichen Kriegsverhältnissen  sowie einleuchtenden Kommunikationsproblemen bei den multinationalen Verbänden beruht. Was in einem Soldaten vorgeht, der in solch brenzligen, ja lebensgefährlichen Situationen, seine schwer verwundeten Kameraden vor Augen, sekundenschnell reagieren soll kann wohl kein deutscher Minister und kein hochdekorierten NATO-General wirklich nachvollziehen.

Die Moral der Truppe wird nach solchen Vorfällen, die allein durch den Raportbesuch des US-Generals McChrystal am Sonnabend in Kunduz und die Kritik des afghanischen Gouverneurs der betroffenen Provinz immer weiter in den Keller getrieben wird, ist wohl für uns nicht nachvollziehbar. Anstatt sich vor die unschuldig in diesen Konflikt geratenen einzig um ihr Leben kämpfenden Bundeswehrangehörigen zu stellen, reiht sich das Groß der deutsche Presse fast widerstandslos in die Reihe der Kritiker.

Bundesentwicklungsminister Niebel argumentierte diesbezüglich, wohl einmalig in seiner Karriere, völlig Nachvollziehbares: „Die Soldaten verstünden nicht, wenn sie sich für die Vorkommnisse in der deutschen Öffentlichkeit rechtfertigen müssten oder sogar strafrechtlich verfolgt würden.“ Er betonte aber zugleich, und das zeichnet einen Politiker dieser amerikahörigen Regierung aus, dass die Bundeswehr ihren Afghanistan-Auftrag fortführe „Wir geben nicht klein bei, wir werden weiter kämpfen.“

Die Toten vom Freitag erhöhen die offizielle Zahl der deutschen Opfer auf 39. Fast standardmäßig, lediglich die Personalie des Ausführenden wechselte bei den Trauerzeremonien für die Gefallenen ständig, sprach Verteidigungsminister zu Guttenberg davon, dass die getöteten Soldaten nicht umsonst gefallen sind. Die Zahl deren, die ihnen dieses höchste Opfer bei der Ausführung dieses Einsatzes dankt, dürfte in Deutschland unterdessen schwindend gering sein. Statt ewiger Verehrung des Vaterlandes, ist ihr Tod lediglich die Randnotiz in einem erbärmlichen Schauspiel tief gebückter deutscher Politversager.